Die vorliegenden Definitionen wurden an der Mitgliederversammlung vom 26. März 2019 genehmigt.
Elternbildung
Elternbildung umfasst Bildungsangebote und -formen für alle Phasen des Familienlebens und richtet sich an alle Formen von Familien. Ausgehend von den familialen Bedürfnissen und unter Berücksichtigung der Ressourcen der familialen Systeme werden durch fachliche Leitung Reflexions- und somit Lernprozesse angestossen.
Elternbildung unterstützt Erziehende in Fragen der Beziehungsgestaltung, Erziehung und des familialen Alltags. Im Zentrum steht die damit verbundene Förderung der kognitiven, emotionalen, sozialen und körperlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sowie des Kindswohls.
Elternbildung nimmt Einfluss auf die politischen und sozialen Rahmenbedingungen, die den Familienalltag prägen.
Erziehungskompetenz
Erziehungskompetenz umfasst die Fähigkeit und Fertigkeit, die kognitive, emotionale, soziale und körperliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu fördern und zu unterstützen. Erziehende begegnen Heranwachsenden mit Wertschätzung, fördern ihre Eigenständigkeit und soziale Verantwortung. Sie können ihre Haltungen, das eigene Handeln und die Wechselwirkung von eigenem Verhalten und demjenigen der Heranwachsenden reflektieren. Sie sind in der Lage, neues Verhalten, angepasst an die Entwicklungsphase des Kindes, zu erlernen und im Alltag anzuwenden. Sie pflegen Netzwerke, die sie in ihrer Erziehungsaufgabe unterstützen.
Qualitätskriterien:
Elternbildungsveranstaltungen
- Elternbildungsveranstaltungen orientieren sich an den Leitsätzen von Elternbildung CH.
- Sie stärken und erweitern die Erziehungskompetenz der Teilnehmenden.
- Sie vermitteln aktuelles Wissen über Entwicklungsprozesse und spezifische Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen.
- Sie basieren auf wissenschaftlichen Theorien und Fakten.
- Sie nehmen Vorwissen und Erfahrungen der Teilnehmenden auf und regen zur Selbstreflexion an.
- Sie unterstützen die Teilnehmenden in ihrer Persönlichkeitsentwicklung.
- Sie fördern den Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmenden, das Lernen in der Gruppe und die Bildung von Netzwerken.
- Sie haben konkrete, transparente Ziele und werden evaluiert.
- Sie entsprechen in ihren Methoden, Lernformen und -materialien den Lernbedürfnissen von Einzelnen und Gruppen.
Für Standardisierte Elternbildungskurse gelten zusätzlich folgende Kriterien:
- Standardisierte Elternbildungskurse werden von spezifisch zertifizierten resp. lizenzierten Kursleiter/innen erteilt. Diese verfügen über eine entsprechende Aus- und Weiterbildung und nehmen an Austauschtreffen zur Reflexion der Arbeit teil. Die Zertifizierung resp. Lizenzierung muss regelmässig erneuert werden.
- Standardisierte Elternbildungskurse werden durch wissenschaftliche, unabhängige Stellen auf ihre Wirksamkeit hin überprüft.
- Die Qualität der Kurse wird durch die jeweilige Dachorganisation fortlaufend überprüft.
Zehn Qualitätsanfragen an Elternkurskonzepte
- „Frage nach der Transparenz der theoretischen Grundlagen des Kurses“: die Bezugstheorie muss bereits im Programm transparent gemacht werden.
- „Frage nach empirischer Wirksamkeitsstudie“: als Kriterien werden hier ange legt: „veränderte Haltung durch Elternverhalten, die Interaktion zwischen Eltern und Kind, das veränderte Verhalten des Kindes“
- „Frage nach wirksamen Methoden und Inhalten zur Erweiterung und Veränderung von Alltagskonzepten der Eltern“: Möglichkeiten zur Selbsterkenntnis und Selbsterfahrung, Informationsvermittlung, neue Erfahrungen und praktische Übungen, sowie Vorbilder (Kursleitung, andere Eltern)
- „Frage danach, wie positive Selbstwerterwartungen und Erziehungsautorität gefördert werden“: Positive Selbstwerterfahrungen und Kontrollüberzeugungen der Eltern stellen wesentliche Elemente der Erziehungskompetenz dar und wirken sich auf die Selbstwerterfahrungen von Kindern positiv aus.
- „Frage nach Empowerment-Ansätzen (Aktivierung und Beteiligung) des Konzeptes“: Bedeutung der Ressourcenorientierung und der Ermutigung sowie die Möglichkeit, über praktische Übungen neue Erfahrungen zu sammeln.
- „Frage nach der Subjektstellung des Kindes“: UN-Kinderrechtskonvention, Würde des Kindes
- „Frage nach der Ausbildung der Kursleiterinnen und Kursleiter“
- „Frage nach der Niederschwelligkeit und den Kosten der Angebote“: die Niederschwelligkeit betrifft die Methoden, aber auch räumliche und strukturelle Elemente, den Lebensweltbezug und die Integration in vorhandene Institutionen (z.B. Kita)
- „Frage nach Unterstützung“ von Netzwerken und Nachbarschaftshilfen –Lebensraumorientierung
- „Frage nach zusätzlichen Angeboten ausserhalb der Kurszeiten“
Tschöpe-Scheffler S. (Hrsg.) (2006): Konzepte der Elternbildung – Eine kritische Übersicht, 2.°Auflage, Leske + Buderich, Opladen, 288 – 293
Qualitätskriterien