Fachreferat und Elternbildungsveranstaltung: Wo liegen die Unterschiede?

In Zusammenhang mit den Honorarempfehlungen für Elternbildung taucht seitens der Elternbildungs-Veranstaltenden immer wieder die Frage auf, was denn eine Elternbildungsveranstaltung von einem Fachreferat unterscheidet – und was den Honorarunterschied ausmacht.

 

In der Erwachsenen- und Elternbildung gibt es verschiedene Formen, wie ein strukturierter Lernprozess von Erwachsenen gestaltet werden kann. Bei der Planung einer Bildungsveranstaltung spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: das Thema, die Teilnehmenden und ihre bereits bestehenden Ressourcen und Kompetenzen, Lokalität, Zeit, Finanzen sowie Wünsche und Ziele hinsichtlich der Ergebnisse. Nach diesen und weiteren Kriterien werden in der Vorbereitung didaktische Entscheidungen getroffen, welche die Form der Veranstaltung und die Auswahl der Methoden prägen.

In den Honorarempfehlungen von Elternbildung CH werden Veranstaltungen (wie zum Beispiel Kurse, Workshops, Leitung Gesprächsgruppen) und Fach-Referate separat aufgeführt. Wieso das?

 

Rede, Referat und Vortrag
Recherchen rund um das Thema «Referat» zeigen, dass ein Referat nicht nur von einer Elternbildungsveranstaltung (z.B. Kurs oder Workshop), sondern auch von Reden, Präsentationen und Vorträgen zu unterscheiden ist.

Mittels einer Rede wird ein Publikum an-gesprochen. Das kann wenige Minuten oder sogar einige Stunden lang dauern. Stellen wir uns beispielsweise eine 1. August-Rede vor, dann werden die Ziele einer Rede rasch klar: Mittels Rede- und Gesprächstechniken möchte man auf Zuhörende einwirken. Mittels wohlformulierter Argumente möchte man überzeugen und beeinflussen. Laut dem berühmten  römischen Redner Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.) geht es jedoch nicht nur ums Überzeugen: Eine Rede will belehren, erfreuen und bewegen.


Das Ziel eines Vortrags ist anders: Im Zentrum steht die Vermittlung von Wissen, Informationen und Zusammenhängen. Fachpersonen und Exptert:innen präsentieren aufbereitetes,  spezifisches Wissen. Dies wird oft auch mittels einer Präsentation veranschaulicht. Manchmal werden Vorträge eingesetzt, um jemanden von etwas zu überzeugen oder zu etwas zu bewegen. Wir alle kennen die Redewendung «jemandem einen Vortrag halten».


In einer Präsentation wird mittels verschiedener Geräte Power Point Folien, Bilder, Diagramme, Videosequenzen u.v.m. gezeigt, welche das Gesagte veranschaulichen, erläutern und unterstreichen. Für die Wissensvermittlung wirkt dies unterstützend, denn das, was wir hören und sehen behalten wir besser, als wenn wir etwas nur sehen oder hören.


Kommen wir zum Referat. Die Bezeichnungen Vortrag und Referat werden oft synonym verwendet - wobei, laut dem Politik- und Verwaltungswissenschaftler Nic Binder, der Aspekt des "jemanden zu etwas bewegen wollen" beim Referat weniger vorhanden ist. In diese Richtung zeigt auch das lateinische "referre", was so viel wie «berichten» bedeutet. Ein Referat stellt wesentliche Gedanken zu einem Thema dar. Man möchte einen Überblick geben, informieren, Zusammenhänge aufzeigen, ein Thema vertiefen, eigene Gedanken anregen.

Damit ein Fachreferat einfach, übersichtlich gegliedert, prägnant, anregend-anschaulich wird, ist einiges an Vorarbeit nötig: Um aus der Fülle von Informationen zum Thema relevante Inhalte verständlich und nachvollziehbar darstellen zu können, braucht es nebst einer aktuellen Recherche eine didaktische Reduktion. Ein Referat gleicht einer Reise mit einer Einleitung (welche Interesse und Neugier weckt), einem Hauptteil (der Schwerpunkte herausschält, verständlich, nachvollziehbar und rhetorisch geschickt ist) und einem pointierten sowie zum Nachdenken anregenden Schluss. Damit das Referat nicht einem einstündigen Wortschwall gleicht, sind Unterbrechungen, z.B. in Form von Fragen ins Plenum, kurzen Murmelaustauschen, Reflexionen  oder Anekdoten hilfreich. Die Beteiligung der Zuhörerschaft hält sich jedoch in Grenzen. Damit der Inhalt fliessend vorgetragen werden kann und die Redetechnik sitzt, wird ein Referat im Vorfeld geübt. Am Schluss eines Referates gibt es oft Gelegenheit, aus dem Plenum Fragen stellen zu können.

Und wie verhält sich das nun zu den anderen Veranstaltungs-Formen der Elternbildung?

 

Was ein Referat von Kursen und Workshops unterscheidet
Ohne in die verschiedenen Formen von Veranstaltungen in der Elternbildung einzugehen, unterscheidet sich ein Referat klar von der Intensität und Art der Beteiligung der Teilnehmenden. Teilnehmende unterscheiden sich von Zuhörenden.

Teilnehmende erhalten beispielsweise in einem Workshop Gelegenheit, Gehörtes auszuprobieren, sich untereinander länger auszutauschen, etwas selbst zu erarbeiten, vorzutragen und vieles mehr. Teilnehmende nehmen nicht nur Wissen auf, sie tragen selbst Wissen bei, sie setzen sich mit dem Inhalt auseinander,  erarbeiten sich etwas, üben, repetieren. Die Aufgaben der Lehrperson, die „Planung der Rhythmisierung“ und die Vorbereitung auf die Lerneinheit gestalten sich entsprechend anders. Die Lehrperson gestaltet, wenn überhaupt, kurze Inputs und begleitet den Lernprozess. Anleitung, Intensität und Dynamik einer Lernveranstaltung unterscheidet sich grundlegend von einem Referat. Der Lehr- und Begleitprozess verteilt sich meist über mehrere Stunden (mit Pausen) oder sogar über verschiedene Einheiten. Nicht ein:e Redner:in steht im Zentrum, sondern die Aktivität der Teilnehmenden. Nicht primär eine Vermehrung des Wissens, sondern eine Kompetenzerweiterung steht im Vordergrund. Wissen ist keine Kompetenz.

 

Die verschiedenen Formen lassen sich nicht vergleichen
Wenn eine Elternbildungsveranstaltung von 2.5h Dauer mit einem mittleren Honoraransatz von CHF 150 entlohnt wird, resultiert ein Gesamthonorar von CHF 500. Das ist gleichviel wie der tiefere Ansatz für ein Fachreferat von einer Stunde.

Vorbereitungen, Ablauf und Ziele eines Workshops und die eines Referates lassen sich, wie oben beschrieben nicht vergleichen. Hinzu kommt, dass die Teilnehmerinnen-Zahl in der Regel variiert: Während an einem Workshop 10-20 Personen teilnehmen, richtet sich ein Referat an eine Vielzahl von Zuhörer:innen und kann zudem aufgenommen und weiterverwendet werden.

 

Diese Unterschiede müssen sich in den unterschiedlichen Honoraransätzen widerspiegeln.
Bei Fragen zum Thema stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung (Kontakt)

Daniela Melone

 

 

Quellen:

  • Meyer, Ruth (2006). Lehren kompakt.Von der Fachperson zur Lehrperson. Bern: h.e.p.
  • Thomann, Geri (2003). Ausbildung der Ausbildenden. Bern: h.e.p.
  • Binder, Nic. Unterschied: Rede, Vortrag, Referat und Präsentation Link
  • Bild von kasto auf Canva

 

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