«Familie» wird gerne hinsichtlich ihrer Funktion für unsere Gesellschaft betrachtet, jedoch kaum in ihrer Eigenschaft als eigensinnige soziale Gruppe. Der Begriff «Eigensinn» wird oft negativ verwendet, als «renitentes, «starrsinniges» oder «widersinniges» beharren auf eigenen Meinungen und Überzeugungen. Das ist schade, denn Eigensinn ist als Ausgangs- und Bezugspunkt für einzelne Menschen als auch für soziale Systeme, wie eben Familien, bedeutsam.
Was ist eigentlich «Sinn»?
Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes «Sinn» zeigt Bewegung an: gehen, reisen oder auch «streben» - also ein Ziel verfolgen. Später kamen Bedeutungen wie «Richtung», «Verstand» oder «sich um etwas kümmern/auf etwas achten» hinzu.
Daher versteht die sinn- und werteorientierte Therapie und Beratung (Logotherapie) nach Viktor Frankl «Sinn» denn auch als die wertvollste Möglichkeit, die ein Mensch in einer konkreten Situation verwirklichen kann.
«Sinn» wird in der Logotherapie nicht allgemein verstanden, sondern als konkreter Sinn in einer konkreten Situation, mit der ein konkreter Mensch konfrontiert ist. Dieses Verständnis zeigt die Einmaligkeit und Einzigartigkeit von Sinn auf. Dabei ist jedoch nicht immer klar, was denn nun in einer Situation sinnvoll ist und wie wir uns entsprechend verhalten können. Unsere Werte bieten einen ersten Ansatz dafür: Wir orientieren uns daran, was wir als wichtig und wertvoll für uns und andere erachten – und handeln danach. Sinnvoll ist zudem, wenn das Wohl aller Beteiligten mitbetrachtet und miteinbezogen wird, was weder über- noch unterfordert und unter erfahrenen Menschen konsensfähig ist. Jeder Mensch und jede Familie hat einen eigenen Zugang dazu. Eigensinn eben.
