Die Welt von morgen wird (weiterhin) komplex, dynamisch und unvorhersehbar sein. Dies zeigt die Studie "Future Skills. Vier Szenarien für morgen und was man dafür können muss" des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI), die im Auftrag der Jacobs Foundation durchgeführt wurde. Ausgangslage ist die Frage, welche Form von Bildung Kinder und Jugendliche benötigen, um 2050, mitten im Erwerbsleben stehend, ihren Alltag zu gestalten und darin bestehen zu können. Die Untersuchung betont, dass es unmöglich ist, die Kinder auf die Zukunft vorzubereiten. Sie brauchen vielmehr die Kompetenz, mit sehr unterschiedlichen Szenarien flexibel, selbstbestimmt und mit anderen gemeinsam umgehen zu können.
Anhand von drei Kategorien fasst die Studie zentrale Fähigkeiten zusammen:
Wissen
Damit sich Kinder und Jugendliche selbständig Wissen aneignen können, brauchen sie entsprechendes Grundlagenwissen, damit sie zum Beispiel überhaupt abschätzen können, welche Informationen sie überhaupt brauchen. Sie benötigen ein Grundverständnis dafür, wie Technologie funktioniert. Aus im Überfluss vorhandenen Informationen müssen sie das für sie Wichtige erkennen und verarbeiten können. In der Wissensaneignung ist es jedoch auch wichtig, das eigene Wissen stets zu hinterfragen und sich mit Menschen auszutauschen, die eine andere Meinung haben, als man selbst. Aktuelle Studien betonen außerdem, dass digitale Kompetenz ein wesentlicher Bestandteil von Future Skills ist. Kinder sollten nicht nur lernen, digitale Werkzeuge zu nutzen, sondern auch kritisch zu hinterfragen, wie diese funktionieren und welche Auswirkungen sie auf Gesellschaft und persönliche Entscheidungen haben können
Wollen
Kinder und Jugendliche lernen, Ziele aus Eigenverantwortung heraus und in Selbstverantwortung zu erkennen und zu formulieren. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Introspektion, also die Fähigkeit, eigene psychische Vorgänge beobachten und analysieren zu können. Um notwendige Ideen zu entwickeln und Zukunft gestalten zu können, braucht es Kreativität und Fantasie. Da die Zukunft aber nicht alleine, sondern mit anderen zusammen gestaltet wird, gehören auch Gemeinschaftswerte wie zum Beispiel die Bereitschaft, sich für die Gemeinschaft zu engagieren und darauf zu vertrauen, dass andere das auch tun werden, zu wichtigen Fähigkeiten auch in Zukunft. Dabei zeigt sich, dass insbesondere frühkindliche Förderung sozialer Kompetenzen in Gemeinschaften wie Krabbelgruppen oder Spielgruppen eine zentrale Rolle spielt, um Kooperation, Empathie und Vertrauen zu stärken. Solche Gemeinschaftswerte bilden das Fundament für erfolgreiches Handeln in einer globalisierten und multikulturellen Welt
Wirken
Ideen müssen auch umgesetzt werden können. Grundlage dafür ist ein Gefühl der Selbstwirksamkeit, also ein Vertrauen in die eigenen Kompetenzen. Gleichzeitig braucht es auch Mut, Fehler zu machen und Durchhaltevermögen. Praktische, handwerkliche Fähigkeiten helfen bei der Umsetzung. Da ein Ist-Zustand oft weit vom Soll-Zustand entfernt ist und bleibt, braucht es die Fähigkeit, mit Diskrepanzen umgehen zu können und damit eine gute Portion Frustrationstoleranz. Im Zusammenwirken mit anderen werden auch Sozialkompetenzen wie Empathie oder Zuhörfähigkeiten gefordert sein. Studien zeigen, dass Eltern eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung dieser Fähigkeiten spielen können, indem sie eine Fehlerfreundlichkeit vorleben und ihre Kinder ermutigen, neue Dinge auszuprobieren. Diese Haltung stärkt nicht nur die Resilienz, sondern auch die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen
Auch wenn diese Fähigkeiten heutigen Werten in der Erziehung durchaus entsprechen, werden sie in Zukunft noch zentraler werden.
Future Skills in der Familie und durch Elternbildung fördern
Die Ergebnisse der Studie sind auch für die Elternbildung wichtig, denn der familiäre Hintergrund trägt wesentlich zur Entwicklung und Bildung von Kindern bei. Laut einer Schätzung der Jacobs Foundation eignen sich Kinder 10-30% ihres Wissens im formalen Bildungssystem an. Den größten Beitrag erfahren insbesondere kleine Kinder durch Begleitung und Erziehung im Alltag. Eltern fördern und unterstützen die kognitive, emotionale, soziale und körperliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Sie vermitteln den Kindern Alltags- und Daseinskompetenzen und machen die Kinder heute fit für die Gesellschaft von morgen. Elternbildung unterstützt Mütter und Väter in ihrer Erziehungskompetenz.
Es braucht ein Innehalten der Elternbildner/-innen: Passen Botschaften, Inhalte und Didaktik auch zu sich verändernden Bildungsanforderungen? Welche Reflexionen brauche ich in Bezug zum Thema und welche Auswirkungen hat das auf mich in meiner Funktion? Um diese Fragen ausreichend beantworten zu können, stellt sich die Elternbildung als Fachdisziplin ähnliche Fragen wie Eltern selbst: Welches Grundlagenwissen brauchen Elternbildner/-innen, um Eltern in der Erziehungskompetenz aktueller und zukünftiger Fähigkeiten ihrer Kinder unterstützen zu können? Was können wir dazu beitragen, dass sich die Fachdisziplin regelmäßig im Austausch mit anderen reflektiert? Wie fördern wir die Gemeinschaft noch besser? Wo und wie halten wir Diskrepanzen sinnvollerweise aus, damit diese uns nicht blockieren?
Wenn wir diesen Raum der Reflexion zulassen, dann machen wir nicht nur unsere Kinder fit für die Zukunft, sondern auch die Elternbildung.
Daniela Melone, Geschäftsführerin Elternbildung CH
Quellen:
• Gottlieb Duttweiler Institut. Zusammenfassung Future Skills und Studie «Future Skills»
• Ulf-Daniel Ehlers (2024). "Future Skills: Zukunft des Lernens und der Hochschulen".
• Neun Argumente für die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung
• OECD (2023). Bericht zu frühkindlicher Bildung
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