Gewaltfreie Erziehung hat jetzt einen Standard – was er für die Elternbildung bedeutet

Kinderschutz Schweiz hat zusammen mit dem Nationalen Netzwerk Gewaltfreie Erziehung die «Qualitätsstandards zur gewaltfreien Erziehung» veröffentlicht. Ein Orientierungsrahmen für alle, die mit Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern arbeiten – ein Dokument, in dem sich die Elternbildung wiederfindet.
 

Eltern in ihren Kompetenzen stärken, Handlungsalternativen für herausfordernde Momente entwickeln, über Erziehung sprechen, ohne zu beschämen: Gewaltfreie Erziehung ist der Alltag der Elternbildung – seit es sie gibt. Am 1. Juli 2026 wurde der Grundsatz ins Zivilgesetzbuch aufgenommen. Neu ist für die Elternbildung also nicht das Thema. Neu ist, dass sich Fachorganisationen auf einen gemeinsamen Rahmen dafür geeinigt haben.

Diesen Rahmen legen die «Qualitätsstandards zur gewaltfreien Erziehung – Orientierungsrahmen für Fachpersonen» vor, erarbeitet von Kinderschutz Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Netzwerk Gewaltfreie Erziehung und der Universität Freiburg. Im Netzwerk, das sich für die rechtliche Verankerung und die fachliche Umsetzung der gewaltfreien Erziehung in der Schweiz einsetzt, wirkt auch Elternbildung CH mit. Neun Standards beschreiben, woran sich professionelles Handeln orientiert: von der Achtung der Würde des Kindes über gewaltfreie Kommunikation und Grenzsetzung bis zur Stärkung von Eltern und Bezugspersonen. Ergänzt werden sie durch Grundhaltung und Begriffe, Handlungsprinzipien für anspruchsvolle Situationen und Konkretisierungen für die einzelnen Arbeitsfelder. Die Standards ersetzen keine bestehenden Vorgaben – sie verstehen sich als Orientierungshilfe, die diese im Hinblick auf gewaltfreie Erziehung präzisiert.

Die Elternbildung ist darin nicht bloss mitgemeint, sondern benannt. Das Arbeitsfeld «Beratung, Bildung und Unterstützung von Eltern und Bezugspersonen» eröffnet die arbeitsfeldspezifischen Kapitel. Mehrere Standards formulieren den Bildungsauftrag ausdrücklich mit – etwa wenn Fachpersonen Eltern darin anleiten, Beziehung zu gestalten und Grenzen gewaltfrei zu setzen, oder wenn Beratungs- und Bildungsangebote als ressourcenorientierte, partizipative Prozesse beschrieben werden. Es ist genau das Verständnis, das die Praxis der Elternbildung seit Jahrzehnten trägt.

Für Fachpersonen in der Elternbildung ist der Standard dreifach nützlich. Er schafft eine gemeinsame Sprache mit den anderen Arbeitsfeldern – von der frühen Kindheit über Schule und Beratung bis zum Kindesschutz – und erleichtert so die Zusammenarbeit. Er stärkt die Handlungssicherheit: Wer Gewalt in Kursen oder Beratungen anspricht, tut dies auf einer breit abgestützten fachlichen Grundlage, ohne zu moralisieren. Und er eignet sich als Reflexionsinstrument – für die eigene Haltung, den Umgang mit Überforderung, die Arbeit mit vielfältigen Familienrealitäten. Eltern haben uns im Dezember gesagt, was sie sich wünschen: Fachpersonen, die alle vom Gleichen reden. Der Standard ist die Antwort der Fachwelt auf diesen Wunsch.

Die Broschüre liegt auf Deutsch und Französisch vor und steht hier zum Download bereit: 

Standards deutsch
Standards französisch

 

Daniela Melone, Geschäftsführerin Elternbildung CH

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