KI in der Elternbildung

 

Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht über künstliche Intelligenz KI lesen. Manche Beiträge heben vor allem die damit einhergehenden Herausforderungen heraus, andere fokussieren die Möglichkeiten und Chancen. Vielleicht geht es Ihnen damit wie mir: Ich weiss eigentlich nicht so recht, was KI eigentlich ist, was ich davon halten soll und wie sie bereits jetzt meinen Alltag beeinflusst.

Fakt ist jedoch: KI steckt bereits in vielen Prozessen und Produkten, ohne, dass wir davon wissen oder merken – denn KI ist grundsätzlich nicht neu (seit 1960). Neu ist jedoch, dass die breite Öffentlichkeit Zugang zu KI-Tools hat.

 

Was ist KI?
Um uns dieser Frage anzunähern, haben wir Dr. Patric Raemy von der Universität Fribourg als Referenten zum Thema «KI in der Elternbildung. Chancen und Risiken des Unvermeidlichen» an unsere diesjährige Mitgliederversammlung eingeladen. Raemy beschäftigt sich seit Jahren in Forschung und Lehre damit, wie technologische Veränderungen die Gesellschaft beeinflussen.

Die Definition von KI seitens der OECD lautet: «Ein maschinenbasiertes System, das in der Lage ist, basierend auf von Menschen festgelegten Zielen, Vorhersagen zu treffen, Empfehlungen auszusprechen oder Entscheidungen zu fällen, welche reale oder virtuelle Umgebungen beeinflussen können.»

Was bedeutet das nun konkret? Patric Raemy macht die Definition fassbarer:

  • KI berechnet Antworten auf der Basis von Statistiken.
  • KI ist gut im Angeben von Durchschnitten.
  • KI bietet Antworten basierend auf einer riesigen Datenmenge.
  • Die Datenmenge und Qualität der Daten bestimmt die Qualität der Antwort mit.
  • Der Promt (die Instruktion der KI) bestimmt den Output mit: «Garbage in – garbage out»

 

Auf eine Frage oder einen Befehl antwortet KI also mit einer Antwort, die auf Berechnungen (Wahrscheinlich- keiten und Statistiken) basiert. KI kann so eindrückliche Aussagen generieren. Aber, wie gut sind diese Antworten und was machen wir damit? Raemy betont, dass KI vieles sehr gut kann, vieles aber auch (noch) nicht. Es braucht seines Erachtens menschliche Intelligenz, um die Fragen gut zu formulieren (Promt) und anschliessend die Antwort zu bewerten.

Ein KI-Chatbot ist ein Chat-Dialogprogramm, welches eine Text oder Sprachnachricht so verarbeitet, um mittels Natural Language Processing» (NLP) zu verstehen, was der oder die Nutzer:in beabsichtigt. Bekannte Chatbots sind beispielsweise ChatGPT, Googles Gemini oder Llama 3 von facebook. Neuere Chatbots werben bereits damit, dass sie nicht nur Antworten geben, sondern auch gute Fragen stellen können. Patric Raemy betrachtet das skeptisch: Wie gut ist es, wenn ein Chatbot «vorgibt» welche Fragen man stellen soll?

"Wenn KI auf einem Produkt steht, ist es dadurch nicht automatisch besser."

Dr. Patric Raemy, Oberassistent, Departement für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Universität Fribourg

Mit KI verändert sich die klassische Suche, wie wir sie beim «googeln» verwenden. Über Google können wir beispielsweise die Einwohner:innen-Zahl von Zürich abfragen. Mit KI können wir neu nicht nur Fakten abfragen, sondern auch Bezüge herstellen, z.B. wie sich die Einwohner:innen-Zahl von Zürich von der Bevölkerungsentwicklung der Schweiz unterscheidet.

 

KI und Elternbildung
Was bedeutet es für die Elternbildung, wenn sich Eltern in Zukunft anders informieren, anders suchen? Wenn sie nicht einfach nur noch «googeln», sondern sagen, dass ihnen der Chatbot dieses und jenes gesagt habe? Das sind durchaus spannende Fragen, mit denen wir uns bereits heute beschäftigen müssen.

Chatbots können vielseitig als Informationsquelle, Gesprächsparter:in, Gedächtnisstütze, Sparring-Partner:in (ich schreibe mal was und schaue, was der Chatbot meint), Assistent:in, Lernpartner:in genutzt werden. «Und manchmal», meint Raemy schmunzelnd, «ist der Chatbot ein Angeber, eine Angeberin und behauptet Sachen. Die tönen dann auch sehr gut.»

Er weist auch darauf hin, dass KI sozio-demografische Unterschiede aufzeigt, denn die sozialen Ungleichheiten bestehen in der digitalen Welt weiter. Benachteiligte Bevölkerungsgruppen bleiben auch mit den neuen Technologien benachteiligt und profitieren weniger von den neuen Informationstechnologien.

Wir müssen uns dessen bewusst sein und können uns gleichzeitig fragen, was wir in der Elternbildung beitragen können, um Ungleichheiten wahrzunehmen und diesen entgegenzuwirken.

Es braucht von den Anwender:innen wie bereits erwähnt einen kritischen Blick, Abgrenzungsvermögen, damit man sich von der Technik nicht vereinnahmen lässt, Selbstdisziplin, Mut, die Antwort anzuzweifeln, Interesse daran, weiter zu recherchieren und mit der Antwort nicht einfach zufrieden zu sein.

Kompetenzen im Umgang mit KI brauchen alle - die Elternbildner:innen als auch die Eltern.


Viele der Anwesenden nutzen die Antworten der KI bisher als Inspiration für eigene Texte, zum Beispiel für die Ausschreibungen der Angebote der Elternbildung. Auch wenn sie damit grundsätzlich zufrieden sind, wird betont, dass es meist eine individuelle Überarbeitung braucht, um eine persönliche Note zu geben. Eine Teilnehmerin gibt zu bedenken: «Mir ist das zu bequem, mir fehlt im Ganzen die Anstrengung. Man ist anders stolz über einen eigenen Text.»

KI macht etwas mit uns. Sie kann uns etwas geben und Arbeit erleichtern. Nimmt sie uns auch etwas?
Der Gesprächsstoff zum Umgang mit der KI in der Elternbildung wird uns noch lange nicht ausgehen.

 

Daniela Melone, Geschäftsführerin Elternbildung CH

 

Dieser Text ist als Editorial im Newsletter 2/24 von Elternbildung CH erschienen.

Die Präsentation des Referats von Dr. Patric Raemy steht Ihnen hier zur Verfügung. Wir bedanken uns ganz herzlich für das spannende Referat und die Erlaubnis, die Präsentation öffentlich zugänglich zu machen.

 

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