Konfliktkompetenz vermitteln - die evidenzbasierte kio-Fortbildung für Ihre Elternarbeit

Kein Paar ist sich immer einig. Wer zusammenlebt, gerät aneinander – über Erziehung, Geld, Nähe, den unerledigten Haushalt. Konflikte gehören zu jeder Beziehung. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Eltern streiten, sondern wie.
 

Kinder bekommen mehr mit, als wir denken. Sie sind feine Seismografen für die Stimmung zu Hause und spüren Spannungen zwischen den Eltern oft schon, bevor ein lautes Wort fällt. Genau hier setzt kio an: ein wissenschaftlich fundierter Workshop, der Eltern hilft, ihre Streitkultur so zu gestalten, dass die Partnerschaft und die Kinder davon profitieren.
 

Warum die Streitkultur der Eltern so wichtig ist
Dass eine glückliche Kindheit gute Voraussetzungen braucht, überrascht niemanden. Weniger bekannt ist, wie stark die Qualität der elterlichen Partnerschaft dabei ins Gewicht fällt. Meta-Analysen belegen einen robusten Zusammenhang zwischen einer destruktiven Paarbeziehung und psychischen Symptomen bei Kindern und Jugendlichen – von Angststörungen und Depressionen über Aggressionen bis hin zu ADHS und Essstörungen. Die Partnerschaftsqualität zählt damit zu den wichtigsten Vorhersagefaktoren für das kindliche Wohlbefinden.

Der Grund liegt in der Nahumwelt des Kindes. Anhaltende Paarkonflikte prägen das Familienklima und können einen Teufelskreis in Gang setzen: Sie verschlechtern das Befinden der Eltern, schränken ihre Feinfühligkeit gegenüber dem Kind ein und begünstigen so ein ungünstiges Erziehungsverhalten – worauf das Kind wiederum mit schwierigem Verhalten reagiert, das die Spannung weiter erhöht. Konflikte zehren zudem an Zeit, Energie und Geduld, erschweren das Zusammenspiel in der Erziehung und liefern Kindern nebenbei Modelle für ein Verhalten, das diese später selbst zeigen.

Besonders belastend sind Konflikte, die häufig, sehr intensiv oder eskalierend verlaufen, lange nicht gelöst werden oder ohne Versöhnung enden. Kritisch ist auch, wenn Streit regelmässig vor den Kindern ausgetragen wird oder diese sogar hineingezogen werden – als Boten, Verbündete oder Schlichter. Dabei zeigt sich ein Muster: Verdeckte, schwelende Konflikte hinterlassen bei Kindern eher Ängste und Niedergeschlagenheit, offen ausgetragene eher Aggression und Unruhe.

Nicht der Streit an sich schadet, sondern der destruktive Umgang damit. Ein grundsätzlich wohlwollendes, von Positivität geprägtes Familienklima wirkt sogar wie ein Puffer. Konstruktiv ausgetragen, vermitteln Konflikte Kindern Sicherheit und ein Modell dafür, wie man Meinungsverschiedenheiten fair löst. Auf diesen Zusammenhang hat auch Prof. Dr. Guy Bodenmann in seinem Referat für Elternbildung CH aufmerksam gemacht: Kinder brauchen keine perfekten Eltern – aber Eltern, die an ihrer Beziehung arbeiten.
 

Was ist kio?
kio steht für «Konflikt ist ok». Der Workshop wurde von Prof. Dr. Guy Bodenmann und Dr. Corinne Bodenmann-Kehl an der Universität Zürich entwickelt. Sein Ziel ist nicht, Streit zu vermeiden, sondern die Konfliktkultur von Paaren zu stärken – den Kindern zuliebe. kio verfolgt dabei drei Anliegen: 

  • Es sensibilisiert für die Bedeutung von Konflikten für Kinder, 
  • vermittelt Wissen über verschiedene Konfliktstile und ihre Wirkung und 
  • zeigt konkrete Wege zu konstruktiver Konfliktlösung auf.

kio ist ein wissenschaftlich fundiertes, standardisiertes Programm: Die Inhalte beruhen auf dem aktuellen Forschungsstand und werden originalgetreu vermittelt. Ihre Wirkung entfalten sie im begleiteten Workshop – im gemeinsamen Üben, im Austausch mit anderen Paaren und in der Anleitung durch geschulte Kursleitende. Das ist der entscheidende Unterschied zur reinen Lektüre: Konfliktkompetenz lässt sich nicht nachlesen, sondern muss erlebt und eingeübt werden.
 

Wie ein kio-Workshop abläuft
Ein kio-Workshop findet mit mehreren Elternpaaren in der Gruppe statt und lebt vom Wechsel aus theoretischen Inputs, Filmsequenzen, Fallbeispielen, Quizfragen, Übungen im Paar und Diskussionen im Plenum. Statt trockener Theorie geht es um die eigene Erfahrung: Wie streiten wir eigentlich? Schon einfache Übungen machen auch körperlich spürbar, wie sich unausgesprochene Spannungen aufbauen, wenn man ihnen keinen Raum gibt.

Im Zentrum stehen die Konfliktstile. Bodenmann unterscheidet drei Gruppen. Die Verdeckten wirken auf den ersten Blick harmlos, sind es aber nicht: Konfliktvermeidung («Wir streiten nie!»), das schwelende Schweigen mit dicker Luft und vorwurfsvollen Blicken sowie passiv-aggressives Verhalten. Die Sichtbaren sind offen destruktiv: Rundumschläge nach dem Muster «du» und «immer», sich verteidigen statt zuhören, den anderen abwerten oder mauern. Beide schaden dem Paar – und den Kindern, die entweder keine Konfliktlösungsmodelle mitbekommen oder negative Verhaltensmuster übernehmen.

Dem gegenüber stehen die Konstruktiven: das Recht, nicht übereinstimmen zu dürfen; konkrete statt pauschale Kritik in Form von Ich-Botschaften; und die emotionale Selbstöffnung – also mitzuteilen, was einen stört, wie man sich fühlt und was man sich wünscht. Anhand von Videobeispielen analysieren die Paare, was in einem Gespräch schiefläuft und wie es besser gelingt. In Einzel- und Paarübungen verorten sie zudem ihre eigenen Muster: Wo neige ich zur Vermeidung, wo zum Abwerten – und wie liesse sich dasselbe Anliegen konstruktiv ausdrücken? Genau diese Fertigkeiten üben die Paare ein und nehmen sie als konkrete Werkzeuge mit nach Hause.
 

Wozu kio gut ist
Der Nutzen zeigt sich auf zwei Ebenen. Für das Paar bedeuten konstruktiv ausgetragene Konflikte mehr gegenseitiges Verständnis, eine höhere Kompromissbereitschaft, ein entspannteres Klima und letztlich mehr Zufriedenheit in der Beziehung. Für die Kinder heisst das: Sie erleben Sicherheit statt Bedrohung, entwickeln eine positive Einstellung zu Konflikten, lernen konstruktive Lösungsmodelle und stärken ihre emotionale Intelligenz. Was Eltern in ihrer Beziehung vorleben, nehmen Kinder mit ins eigene Leben – kio wirkt damit weit über das Paar hinaus.


Für Fachpersonen: die kio-Lizenz-Fortbildung
Damit kio-Workshops möglichst vielen Familien zugutekommen, braucht es qualifizierte Kursleitende. Elternbildung CH führt in Kooperation mit der Universität Zürich die kio-Lizenz-Fortbildung durch, die Fachpersonen befähigt, kio-Workshops eigenständig anzubieten.

Angesprochen sind Fachpersonen mit tertiärem Abschluss aus Bildung, Soziales, Gesundheit, Beratung und Psychologie – etwa Elternbildner:innen, Mütter- und Väterberater:innen, Erziehungs- und Sozialberatende, Psycholog:innen, Lehrpersonen, Pädiater:innen oder Mediator:innen. Vorausgesetzt werden methodisch-didaktische Kenntnisse; Erfahrung in der Arbeit mit Gruppen und mit Eltern ist zudem hilfreich, weil der Workshop persönliche Themen berührt. 

Die Fortbildung ist nach dem Prinzip des Flipped Classroom aufgebaut. Zunächst erarbeiten sich die Teilnehmenden die Inhalte im Selbststudium (rund sechs Arbeitstage) anhand des Buchs, eines Begleithefts, des Workbooks und eines kommentierten Foliensatzes. Darauf folgen zwei Vertiefungstage vor Ort, an denen der theoretische Hintergrund vertieft und offene Fragen besprochen werden, sowie zwei Lizenzierungstage, an denen die Teilnehmenden ihre eigene Workshop-Leitung vorbereiten und unter Beweis stellen. Wer die Fortbildung erfolgreich abschliesst, darf sich «lizenzierte:r kio-Workshopleiter:in» nennen, eigene Workshops ausschreiben und wird in die Liste von Elternbildung CH aufgenommen. Auch danach bleibt der fachliche Austausch bestehen – über eine kollegiale Austauschgruppe und Intervision.

 

Bereits erfolgreich gestartet
Die erste Durchführung ist abgeschlossen: Zwölf Absolventinnen haben die kio-Lizenz-Fortbildung erfolgreich durchlaufen und dürfen sich seither «lizenzierte kio-Workshopleiter:in» nennen. Die Rückmeldungen der ersten Teilnehmerinnen fielen positiv aus: Sie fühlten sich gut auf ihre Rolle als Kursleiter:in vorbereitet und würden die Fortbildung weiterempfehlen; besonders die praxisnahen Lizenzierungstage wurden als „enorm wertvoll und bereichernd" beschrieben. Die lizenzierten Fachpersonen sind bei Elternbildung CH gelistet und werden auf Anfrage gerne weitervermittelt.

kio dreht eine verbreitete Sorge um: Nicht der Streit an sich schadet den Kindern, sondern ein destruktiver Umgang damit. Wer lernt, konstruktiv zu streiten – und wer Eltern dabei begleitet –, stärkt Partnerschaften und schenkt Kindern zugleich eines der wertvollsten Vorbilder überhaupt. Konflikt ist eben ok.

Jetzt für die Fortbildung 2026/2027 anmelden

Die nächste Durchführung startet am 23. November 2026 mit dem Selbststudium. Die Präsenztage finden am 21./22. Januar (Vertiefung) und am 4./5. März 2027 (Lizenzierung) in Zürich statt. Anmeldeschluss ist der 2. November 2026, und die Zahl der Plätze ist beschränkt. Wer kio in die eigene Praxis holen und Eltern wirksam unterstützen möchte, sichert sich am besten frühzeitig einen Platz. Alle Details, Kosten und die Anmeldung finden sich im kio-Fortbildungsflyer auf www.elternbildung.ch, gerne auch direkt bei Elternbildung CH ([email protected], 044 253 60 60).

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