Lebenslanges Lernen

 

Der Bund muss sparen. In Zeiten eingeschränkter staatlicher Ressourcen rücken zahlreiche Förderbereiche ins Visier. So auch die Weiterbildung.

Im März 24 wurde eine Expert:innen-Gruppe vom Bundesrat beauftragt, eine Aufgaben- und Subventionsprüfung durchzuführen. Das Ziel: Einsparen von mindestens 3 Milliarden Franken ab 2027 und ab 2030 mindestens 4 Milliarden. Die Gruppe hat rund 60 Spar-Massnahmen erarbeitet und nimmt auch die Weiterbildung ins Visier. Der Vorschlag: Das Weiterbildungsgesetz WeBiG streichen. Da es sich beim WeBiG jedoch um einen Verfassungsauftrag handelt, soll nun nicht das Gesetz, sondern die darin enthaltenen Grundlagen für die Finanzhilfen gestrichen werden.

Was das bedeutet? Die vorgesehene Streichung betrifft nicht nur die berufsorientierte Weiterbildung, sondern insbesondere die allgemeine Weiterbildung - und damit auch Elternbildung CH. Für die Organisationen der Weiterbildung OWB, welche übergeordnete Aufgaben für die jeweiligen Weiterbildungsbereiche übernehmen, steht also viel auf dem Spiel – vorausgesetzt, das Parlament akzeptiert das volle Sparpaket. Auch wenn dies noch ungewiss ist, es weht ein eisiger Wind.

Was bedeutet es für die Weiterbildung, ja für unsere Gesellschaft, wenn der Bundesrat in Betracht zieht, die Organisation der Weiterbildung OWB «über die Klinge springen zu lassen»? Man ist der Ansicht, der Bund solle die übergeordneten Leistungen der OWB nicht mehr unterstützen, da der Weiterbildungsmarkt ja funktioniere. 


Die Organisationen der Weiterbildung leisten wertvolle Grundlagenarbeit für das Weiterbildungssystem und damit für unsere Gesellschaft. Das gute Zeugnis, das dem Weiterbildungssystem ausgestellt wird, basiert auch auf der guten Arbeit und den Leistungen der Organisationen der Weiterbildung OWB. Die OWB  helfen mit, die Chancengleichheit und den sozialen Zusammenhalt zu fördern, Bildungsbrücken zu den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen zu bauen, für das lebenslange Lernen zu sensibilisieren, den Dialog zwischen den verschiedenen Anbieterinnen von Weiterbildung zu fördern, Innovationen zu initiieren, aufzubauen, Instrumente der Qualitätssicherung zu erarbeiten und zur Verfügung zu stellen, Digitalisierung in der Weiterbildung voranzutreiben, die Fachkräfte in der Weiterbildung zu unterstützen und für sie da zu sein. Wir müssen uns ernsthaft fragen: Kann das Weiterbildungssystem auf diese systemrelevanten Leistungen verzichten?
 

Eine starkes Weiterbildungssystem verhindert langfristig höhere Kosten für den Bund. Ein Wegfall der Fördermittel gefährdet Koordination, Qualitätssicherung, Entwicklung, Nachhaltigkeit, Zugang zur Weiterbildung und lässt wichtige Bildungsbedarfe ungelöst. Wer will das riskieren? 
 

Die Weiterbildung in der Schweiz braucht nicht weniger, sondern mehr Förderung. Insbesondere die allgemeine Weiterbildung, zu der auch die Elternbildung gehört, wird häufig als „nice-to-have“ angesehen. Diese Haltung widerspiegelt sich in verschiedenen strukturellen Nachteilen, beispielsweise lassen sich die Kosten allgemeiner Weiterbildung nicht von den Steuern abziehen. Es fehlt generell an finanziellen Anreizen.
 

Diese Haltung und Praxis haben Folgen, denn die allgemeine Weiterbildung unterstützt die Gesundheit und das Gemeinwohl unserer Gesellschaft – ein grosses Potential, das bereits heute noch nicht ausgeschöpft wird.
 

Nur durch beständige Förderung und Anerkennung kann die Weiterbildung ihre gesellschaftliche Funktion erfüllen und Menschen in jeder Lebensphase erreichen. 
 

Elternbildung CH setzt sich dafür ein, dass die übergeordneten Leistungen für das Weiterbildungssystem, insbesondere für das Elternbildungssystem, weiterhin erkannt, erbracht – und damit auch finanziert - werden können. Das reicht jedoch noch nicht, es braucht alle, die ein Interesse an einer starken Elternbildung haben: die Kantone, die Anbieter:innen von Elternbildung, die Elternbildner:innen und alle zugewandten Fachpersonen. 

 

Daniela Melone, Geschäftsführerin Elternbildung CH

 

 

Bild: IvelinRadkov auf Canva

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