Muss ich meinem Kind Plastikspielzeug kaufen?

Holzspielzeug ist schön und ressourcenschonend. Was aber, wenn ein Kind Plastikspielzeug bevorzugt?

 

Wir möchten, dass unsere Kinder lernen, wie man nachhaltig lebt. Doch natürlich finden sie das Plastiktrottinett schöner als die Variante aus Holz. Legos cooler als Kaplas. Müssen wir unsere Prinzipien aufgeben?
Tom



Lieber Tom

Es ist toll, wenn Sie beim Spielzeugkauf nicht nur an Pädagogik und Spass, sondern auch an die Umwelt denken. Eine einfache Antwort auf Ihre Frage zu finden ist, zugegeben, nicht ganz einfach. Es geht dabei um verschiedene Aspekte, die ich etwas auseinanderhalten möchte.


Beschaffenheit
Holz ist, ganz generell, nicht zwangsläufig das bessere Spielzeug – auch hier können Farben, Lacke und Klebstoffe gesundheitsgefährdend sein. Je nach Verwendung ist es sogar besser, ein anderes Material als Holz zu wählen. Etwa, wenn es um Hygiene oder Gewicht des Spielzeugs geht. Es gibt spielzeugtechnisch also neben der Nachhaltigkeit noch weitere Kriterien, die es beim Einkauf zu beachten gilt.


Nachhaltigkeit
Ist Plastik wirklich in jedem Fall schlechter? Mittlerweile mehren sich in der Presse Artikel und Stellungnahmen, welche Kunststoff in einer ökologischen Gesamtbetrachtung (inkl. Entsorgung, Mehrfachverwendung) gar als nachhaltigste Lösung betrachten. Als Laie ist man schnell überfordert und Halbwissen trägt oft nicht zu einer besseren Co2-Bilanz bei.


Nachhaltigkeits-Erziehung
Tatsächlich haben Eltern mir schon oft erzählt, dass sie den Kindern hochwertiges Holzspielzeug gekauft hatten, dieses aber nur begrenzt auf Anklang stiess.

Warum Kinder das eine oder andere Spielzeug bevorzugt auswählen, kann viele Gründe haben: Optisch könnte es eine schönere, ansprechendere oder glänzendere Farbe haben, wendiger, leichter oder angenehmer zum Anfassen sein oder es kann besser auseinandergenommen werden. Kinder interessieren sich für Produkte, die besonders zum Erkunden einladen und sich leicht in das eigene Spielverhalten einfügen lassen. So kann Holz für ein Bau- oder Konstruktionsspiel gut geeignet sein oder ein Kunststoffartikel passt in ein spezifisches Rollenspiel. Kinder sind nicht davor gefeit, Spielzeuge attraktiv zu finden, mit denen auch viele andere Kinder spielen – oft ist das kein Holzspielzeug.

Ich bin der Ansicht, dass Kinder eine nachhaltige Lebensweise auch auf viele andere Arten lernen können. Das, was Sie vorleben – darunter auch die Materialien, die Sie im Alltag auswählen und verwenden –, das werden Ihre Kinder aufnehmen. Es ist daher wichtig, dass Sie Ihre Prinzipien kennen und leben. Das hilft Ihren Kindern, sich zu orientieren. Die eigenen Prinzipien zu leben, bedeutet in meinen Augen auch, sich über sinnvolle Grenzen und Ausnahmen Gedanken zu machen. Ein Spielzeug aus Plastik bietet unter Umständen auch Lerngelegenheiten in Sachen Nachhaltigkeit. Zum Beispiel, wenn das Plastiktrottinett kaputt geht: Was kann man nun tun damit? Wo kann es entsorgt werden oder können einzelne Teile weiterverwendet werden?

Erziehung zur Nachhaltigkeit muss also nicht bedeuten, alle Plastikspielzeuge zu verbannen, sondern einen verantwortungsvollen Umgang damit zu finden.


Herzlich, Daniela

 

Dieser Text ist am 17.04.2020 im Mamablog in der Rubrik "Elternfrage" erschienen.

Illustration von Benjamin Hermann


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