Perfektionismus bei Kindern – erkennen und begleiten


Perfektionismus bei Kindern zeigt sich in vielen Facetten. Für Elternbildner:innen  stellt sich die Frage, wie Eltern in der Elternbildung für dieses Thema sensibilisiert und bei der Begleitung ihrer Kinder unterstützt werden können.

 

Eltern berichten in Kursen immer wieder von den hohen Ansprüchen ihrer Kinder. Ihre Beobachtungen schildern sie beispielsweise so: 

  • Mein Kind hat so Mühe mit den Hausaufgaben zu starten.
  • Es hat so hohe Ansprüche an sich selbst, dass es manchmal sogar seine Zeichnungen wütend zerrreist.
  • Die Lehrperson meint, mein Kind arbeite in der Schule so langsam.
     

Was diese Schilderungen alle verbindet: der hohe Selbstanspruch der Kinder, der ihnen Schwierigkeiten bereitet oder Angst vor Fehlern aufkommen lässt - und sie beim Lernen  hemmt. Die unterschiedlichen Berichte der Eltern können somit alle auf Perfektionismus hindeuten, denn dieser hat viele Facetten und braucht eine feinfühlige Begleitung.

 

Perfektionismus bei Kindern
Wenn Kinder alles möglichst richtig machen möchten und sich selbst sehr hohe Ansprüche auferlegen, spricht man von Perfektionismus – ein Muster, das je nach Ausprägung förderlich oder belastend wirken kann. Wichtig ist daher die Unterscheidung zwischen sogenannt funktionalem und dysfunktionalem Perfektionismus. Der funktionale Perfektionismus kombiniert einen gesunden Ehrgeiz mit einer Bereitschaft zur Übung und fördert den Lernprozess, da er Kinder motiviert. Der dysfunktionale Perfektionismus ist eine belastende Kombination aus hohen Anforderungen an sich selbst und aus dem Bestreben, Fehler zu vermeiden. Das führt bei den Kindern als auch den Eltern zu Stress und kann Gefühle von Unsicherheit sowie eine geringe Frustrationstoleranz hervorrufen.

 

Gefühle wahrnehmen und begleiten
Häufig verfügen die Kinder über das nötige Wissen, um die Aufgaben zu lösen, geraten aber in Schwierigkeiten, weil sie von ihren Gefühlen überwältigt werden. Eltern reagieren dann oft mit gutgemeinten Sätzen wie „Das kannst du doch“ oder „Das letzte Mal hast du es doch auch geschafft“. Für die Begleitung der Kinder ist es jedoch wichtig, den Blick nicht nur auf die sachlichen Aufgaben zu richten, sondern auch auf die Emotionen des Kindes zu reagieren.

Methoden wie Marte Meo geben konkrete Anregungen, wie sie Gefühle des Kindes erkennen und wie sie damit umgehen können. Eltern werden dazu angeregt, ihr Kind zu beobachten -  vor allem den Gesichtsausdruck des Kindes, da sich hier die Gefühle und Gedanken des Kindes besonders gut zeigen. Sie werden ermuntert, die Beobachtungen einfühlsam zu verbalisieren (z.B. «du weisst nicht weiter», «das strengt dich an», «du denkst nach» oder «du wirst nervös»). Oft sind jedoch emotionale Laute wie «mmmh», «ffhm» oder «ahhh» fast hilfreicher. Diese «Tonspur» über die Wörter und emotionalen Töne stärkt das Kind in seiner Selbstwahrnehmung. Aus Sicht der Marte Meo Methode bildet diese Selbstwahrnehmung die Basis für die Selbstregulierung, insbesondere auch der Gefühle der Kinder. Nach dem Verbalisieren ist es wichtig, dem Kind Zeit zu geben, damit es seine Gefühle regulieren kann. Nachdem sich das Kind wieder beruhigt hat, ist es bereit, selbstständig den nächsten Schritt, z. B. bei den Hausaufgaben, anzugehen.

 

Das Selbstvertrauen des Kindes stärken
Die Klärung der Frage „Wessen Problem ist es?“ hilft Eltern zu erkennen, wo die Verantwortung dafür liegt. In der Regel sind Hausaufgaben Sache des Kindes. Bleibt die Verantwortung bei ihm, hat es die Chance, den Umgang mit der Herausforderung zu lernen.

Insgesamt geht es darum, das Selbstvertrauen des Kindes zu stärken. Für Eltern kann dies eine hilfreiche Leitlinie sein. Dazu gehört auch, Unterforderung zu erkennen: Zeigt ein Kind Anzeichen von Langeweile oder Frustration, lohnt sich das Gespräch mit der Lehrperson. So kann das Niveau der Hausaufgaben angepasst und besser auf die Fähigkeiten des Kindes abgestimmt werden.

 

Das Thema weiter vertiefen
Unter folgenden Links gibt es mehr Informationen zum Thema: Facetten von Perfektionismus bei Kindern oder auch hilfreichen Anregungen aus Marte Meo 

Auch der Selbstlernkurs Perfektionismus bei Kindern und Jugendlichen hat viele Gesichter - hohe Ansprüche erkennen und feinfühlig begleiten dient der Vertiefung und bietet weitere hilfreiche Anregungen.

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