Frau Dunitz-Scheer betont: «Sie (Eltern) sollten sich weniger in die Ernährung ihrer Kinder einmischen. Man muss Kinder weder dafür loben, dass sie gut essen, noch sie dazu anhalten, dieses oder jenes zu essen. Das ist unnötig, übergriffig und belastet die Beziehung. Kinder wissen selbst, was für sie gut ist.» Sie verweist auf Studien und Erfahrungen, die gezeigt haben, dass Kinder nur zu Beginn mehr ungesunde Sachen essen. Mit der Zeit reguliert sich das von selbst.
Ich möchte Sie damit ermutigen, weiterhin keinen Druck rund um das Essverhalten Ihrer Tochter aufzubauen. Ein Vorgehen, das Sie darin unterstützen kann, skizziert die Psychologin und Buchautorin Annette Kast-Zahn. Ich stelle Ihnen kurz ihr Modell einer Aufgabenteilung zwischen Eltern und Kindern vor und gebe noch einige Erläuterungen dazu:
Die Aufgaben der Eltern
- Sie wählen aus, was Sie Ihrer Tochter zu essen anbieten. Dabei können Sie Ihr Wissen über gesunde Ernährung mit einbeziehen.
- Sie legen fest, wann Sie welches Essen anbieten. Da spielt natürlich der Rhythmus Ihrer Tochter ebenso eine Rolle wie der Rhythmus der ganzen Familie. Sie bereiten das Essen altersgerecht zu und stellen es auf den Tisch.
- Sie bestimmen, welche Regeln am Tisch bei den Mahlzeiten gelten sollen, und achten darauf, dass die Regeln eingehalten werden. Schön ist es, wenn Ihre Tochter bei den Regeln mitbestimmen darf.
Damit ist der Job der Eltern erledigt.
Die Aufgaben des Kindes
- Ihre Tochter kommt an den Tisch und entscheidet selbst, ob, was und wie viel sie vom Angebot essen möchte. Sie hört auf zu essen, sobald sie satt ist.
- Die Tochter befolgt die Regeln bei Tisch.
Bestimmt werden noch einige Fragen zur Ausgestaltung auftauchen: Was, wenn Ihre Tochter entscheidet, überhaupt nichts vom Angebot zu essen? Soll sie dann hungrig bis zum Zvieri warten? Dagegen spricht körperlich nichts. Wenn Sie die Situation jedoch abmildern möchten, können Sie Brot mit auf den Tisch stellen, von dem sich Ihre Tochter bedienen kann. Manche Kinder essen auch mehr, wenn die Nahrungsmittel nicht schon von Anfang an vermengt oder mit Saucen vermischt werden.
Es lohnt sich, die «Aufgaben der Eltern» gut zu durchdenken, mit Ihrem Partner zu besprechen und allfällige Stolpersteine bereits vorwegzunehmen. Dazu gehört auch der Umgang mit Süssigkeiten: Im Alter Ihrer Tochter entspricht die empfohlene Menge an einem Tag zum Beispiel drei Stück Petit Beurre oder einem Glas Süssgetränk. Die Mengen sind klein und lassen sich gut einplanen. Wenn Sie sich daranhalten, dann braucht es kein Verbot, weil nicht mehr Süssigkeiten vorgesehen sind.
Falls Sie befürchten, dass Ihre Tochter gesundheitlich unter dem Essverhalten leidet, dann beobachten Sie, was sie in einer Woche alles trinkt und isst. Oft kommt da mehr zusammen, als man denkt! Falls Ihre Tochter an Gewicht verlieren sollte, stets müde ist und ihre Haare und Fingernägel nicht mehr schön aussehen, rate ich Ihnen zu einem Besuch beim Pädiater. Manchmal hilft auch der Gang zum Kinderarzt, um sich bestätigen zu lassen, dass das Kind gesund ist und eine Phase einseitigen Essens gut ertragen kann.
Mit Ihrer Haltung und Ihrem Vertrauen in die Autoregulation Ihres Kindes steht und fällt der Stress am Esstisch. Gestehen Sie Ihrer Tochter diese Selbstbestimmung zu, damit sie merkt, was und wie viel sie braucht. Wenn der Esstisch nicht zum Austragungsort von Ängsten, Beziehungsstörungen und Kampf wird, sondern einfach etwas Schönes und Lustvolles bleibt, ist das aus meiner Sicht die beste Prophylaxe gegen Essstörungen.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Ihrer Tochter «en Guete».
Daniela