Gehört die Betreuungsarbeit von Eltern in den Lebenslauf?

Letzte Woche wurde ich auf LinkedIn eingeladen, der Gruppe »Unpaid Care Work« zu folgen.

»Unpaid Care Work« steht für die Anerkennung der privaten Fürsorge- und Pflegeverantwortung - vom Säugling bis zum Sterbenden. Es geht darum, dass Menschen, die im Verborgenen Care Arbeit leisten, dies im beruflichen Kontext nicht verschweigen oder sogar verheimlichen.

Es gilt, nicht nur die Herstellungs-Leistung der Care Arbeit und des "Doing Family" anzuerkennen, sondern auch den Erwerb von neuen Fähigkeiten und Kompetenzen, welche durch diese Leistungserbringung entstehen. Die meisten dieser Fähigkeiten und Kompetenzen kommen auch der Erwerbsarbeit und dem Unternehmen, in dem man tätig ist, zugute.

Der Begriff "Doing Family" signalisiert einen Perspektivenwechsel von Familie als "Form" zu Familie als "Praxis". Die Kernfrage eines so gewendeten Blicks auf Familie lautet deshalb: Wie schaffen Familien es praktisch, unter heutigen Bedingungen überhaupt Gemeinsamkeit als Beziehungssystem herzustellen, Care zu erbringen und nicht in lauter individuelle Leben zu zerfallen? Auf welche Praxen wird hierzu zurückgegriffen, welche Ressourcen und Kompetenzen spielen eine Rolle und was tun die beteiligten Personen ganz konkret?"

Dr. Karin Jurczyk, Soziologin & Autorin

Leistung soll genannt werden
Eltern bauen ihre Eltern- und Erziehungskompetenzen aus, ohne je eine konkrete Ausbildung dafür absolviert zu haben. Zum Beispiel sind das:

  • Fähigkeit und Fertigkeiten, die kognitive, emotionale, soziale und körperliche Entwicklung der von ihnen betreuten Personen zu fördern und unterstützen.

  • Heranwachsenden mit Wertschätzung zu begegnen und sie in ihrer Eigenständigkeit und sozialen Verantwortung zu fördern. Gleichzeitig auch das eigene Handeln und die Wechselwirkung zwischen dem eigenen Verhalten und demjenigen der heranwachsenden Person zu reflektieren.

  • Das eigene Verhalten als Eltern zu reflektieren und neues Verhalten, angepasst an die Entwicklungsphase und Aufgabe des Kindes, zu erlernen und im Alltag anzuwenden. Netzwerke zu pflegen, die sie in ihrer Eltern- und Erziehungsaufgabe unterstützen.

  • Termine koordinieren, absprechen und einhalten. Zudem lernen Eltern, ihre eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen und Grenzen für sich und andere zu ziehen. Sie stärken damit ihre eigene Resilienz.

Ja, Betreuungs-, Erziehungs-, und Pflegearbeit gehört für mich in den Lebenslauf.

 

Care Arbeit darf nicht einschränken

Eltern, die ihre private Fürsorge- und Pflegeverantwortung erkenntlich machen, erkennen sich selbst an und werden damit sichtbar. Sie erkennen ihre tägliche Leistung an und wertschätzen sich.

Die Care- und die Erwerbsarbeit soll transparent und korrekt im Lebenslauf ausgeführt werden. "

Katja Stäheli, Eltern- und Erwachsenenbildnerin, entwicklungspsychologische Beraterin

Die Bekennung zur Care Arbeit darf Eltern nicht ihn ihrer Erwerbstätigkeit einschränken. Umso wichtiger ist es, ihnen und anderen Care Arbeit Leistenden mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen.

Für die Firmen ist es ein Gewinn, wenn Eltern die Gelegenheit erhalten, ihre Eltern- und Erziehungskompetenzen auszubauen. Nicht nur „on the Job“, sondern auch mittels Elternbildung. Aus diesem Grund hat Elternbildung CH die Sensibilisierung für dieses Thema in die Strategie 2025-2028 aufgenommen.

 

Eltern in ihrem Tun bestärken
Es ist auch an uns Elternbildner:innen, Eltern in ihrem Tun zu bestärken, ihnen weiteres Rüstzeug für den Alltag mitzugeben und sie für ihre tägliche Arbeit wertzuschätzen.

Wir können die Sichtbarkeit und die Anerkennung der Eltern- und Erziehungskompetenzen fördern, indem wir:

  • Kursbestätigungen erstellen, auf welchen die erworbenen Kompetenzen sichtbar sind
  • Ausschreibungen und Bestätigungen so verfassen, dass der Mehrwert für den Arbeitskontext erkennbar wird
  • Unsere eigene Haltung reflektieren und Eltern ermutigen, Elternbildungskurse als Weiterbildung anzugeben

 

Katja Stäheli
 

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